Monika Schiefers bildnerische Vorgehensweise lässt sich als eine Konzentration auf die malerische Konzeption von Farbe beschreiben. Sie verwandelt mit der Kraft der Malerei die Energie in Materie, in dem sie aus Farbe eine stoffliche Substanz macht. Die Künstlerin wählt die Farbe frei, als Element auf sich gestellt, um all das zu erfahren, was sie an Qualität und Kraft in sich trägt, will als Malerin Farbe unbeeinflusst, frei von jeder Illusion so sehen, wie sie wirklich ist. Die scheinbare Einfachheit irritiert, denn die Farbflächen werden als Bewegung erlebbar, der Betrachter kann in die sich ausdehnenden Farben eintauchen, sich von der Wirkung fesseln lassen. In ihren Werken erreicht Monika Schiefer mit einer nuancierenden Farbbehandlung eine malerische Homogenität, die in ihrem Spiel mit Farbe und Licht, Transparenz und Undurchsichtigkeit, Kraft und Gegenkraft im Strukturfeld des Bildgevierts, das keinen Anfang und kein Ende zu kennen scheint, ein universelles, lebendiges Gewebe entwirft, in dem die Farben vor und über raumlosen Grund schweben. Die malerisch gestalteten informellen Flächen zeigen durchaus Strukturen, indem einzelne Bereiche sich durch unterschiedliche Farbvaleurs voneinander abgrenzen. Haben wir vor allem bei den großformatigen Bildern das Bedürfnis, sie aus gehöriger Distanz als Ganzes auf uns wirken zu lassen, verspüren wir zugleich den unwiderstehlichen Drang, ihnen ganz nahe zu sein, um in den atmosphärischen, über der Fläche schwebenden Farbschimmer einzutauchen.

Die Farbe des Himmels ist blau, die der Bäume und Wiesen grün. So setzt die gegenständliche Malerei Farbe ein. Aber Monika Schiefer beschäftigt nicht der Gegenstand, nicht die äußere Form der Dinge, sondern die Idee einer sichtbar gemachten Entmaterialisierung und Transzendenz. Sie vermittelt in ihren Kompositionen das Gefühl von Weite, lenkt den Blick auf das Farbgeschehen eines lichten Gelb mit einem Rot, lässt das Grün strahlen, stürzt in die Tiefen des Blau. Weil die Künstlerin das Licht subtil mitmalen lässt, oszillieren ihre Bildoberflächen und Farben zwischen Verdichtung und Leichtigkeit, Licht und Finsternis, Dynamik und Ruhe. Sich ständig verändernde Lichtwellen, gesendet von kleinsten Farbpartikeln, treffen unsere Optik, wir werden sinnlich angeregt. So fühlt man in den Bildern von Monika Schiefer, dass Farbe eine geistige Kraft ist. Dr. Andrea Brockmann